Szeneninformationen
Charaktere: Bang Young-mi &
Cho Taegun
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 12. November 2026
Es war still. Lediglich das leise Rauschen der sanften Wellen wagte es, in ihren Hörtrakt einzudringen. Mit jeder kleinen Welle wurden ihre Hosenbeine nasser, doch ihr Blick blieb versteift auf die riesige Glasflügeltür, die an einigen Ecken und Kanten bereits Risse vorwies. Young-mi konnte in der Reflektion sehen, was sich hinter ihr abspielte, demnach hielt sie es für schlauer, weiterhin auf die Glastür zu schauen. Es schien, als stünde sie unter Strom. Jedes einzelne Geräusch und jede Bewegung sorgte dafür, dass sich ihre Muskeln wie elektrisiert anspannten. Hin und wieder traute sie sich nicht einmal zu atmen. Ihre Hand umgriff eine Leiter, die zu einer Rutsche führte. Damals assoziierte sie all dies mit Spaß und kindlichen Irrsinn, man wollte vor allen anderen Kindern oben sein, um dann als allererstes hinunterzurutschen. Keiner wollte sich anstellen. Und wenn man von oben hinabblickte, erkannte man die gehobenen Arme der Kinder, die von dieser Entfernung mickriger wirkten, als von Angesicht zu Angesicht. Genau genommen hatte sich heute nicht groß etwas verändert. Wer oben stand und Chlor in den Augen hatte, konnte sich gut einbilden dass alles noch so wie früher war. Zombies wirkten von dort oben zwar noch bedrohlich, doch der Höhenunterschied wog einen in die nötige Sicherheit, welche man sich ersehnte. Young-mi schlief meistens oben auf der Rutsche. Da das Becken nicht mehr allzu voll war und der Strom ausgeschaltet war, lief kein Wasser von der Rutsche hinab. Und trotzdem hatte sie eine zurechtgeschnittene Matte mühevoll hineingepresst, damit sie im Schlaf nicht ungewollt hinunterrutschte. Schützend zog sie ihre Knie an sich und umschlang ihre Beine mit ihren dürren Armen, ehe sie ihr Kinn auf die angewinkelten Knie ablegte. Es war anstrengend so lange auf der Lauer zu liegen. Wann war das letzte Mal, dass sie durchschlief? Wobei Schlaf mittlerweile ebenfalls zu etwas wurde, was ihr Angst machte.
Draußen ging allmählich die Sonne unter, was bedeutete, dass es für Young-mi deutlich gefährlicher wurde. Es wurde dunkler und die Reflektion in der Glastür schwand immer mehr. Aus Angst, Zombies anzulocken, verblieb sie meistens in kompletter Dunkelheit. Doch jetzt war es vielleicht ein guter Zeitpunkt, zur Rutsche hinaufzuklettern. Von dort oben war ihr Ausblick zumindest etwas besser. Außerdem bekam sie langsam Hunger. Oben angekommen, öffnete sie den Rucksack und kramte eine geöffnete Box an Keksen hervor. Der Großteil von ihnen war zerbrochen und mittlerweile etwas aufgeweicht, doch es schien nicht so, als hätte Young-mi eine große Auswahl an Nahrung. Wer wählerisch war, überlebte nicht lange. So hockte sie sich im Schneidersitz auf den kleinen Vorsprung, wo man damals lediglich sehnsüchtig drauf wartete, bis die Ampel grün wurde, um dann loszurutschen.