Project: SURVIVE
just keep swimming - Druckversion

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just keep swimming - Bang Young-mi - 28.09.2026

Es war still. Lediglich das leise Rauschen der sanften Wellen wagte es, in ihren Hörtrakt einzudringen. Mit jeder kleinen Welle wurden ihre Hosenbeine nasser, doch ihr Blick blieb versteift auf die riesige Glasflügeltür, die an einigen Ecken und Kanten bereits Risse vorwies. Young-mi konnte in der Reflektion sehen, was sich hinter ihr abspielte, demnach hielt sie es für schlauer, weiterhin auf die Glastür zu schauen. Es schien, als stünde sie unter Strom. Jedes einzelne Geräusch und jede Bewegung sorgte dafür, dass sich ihre Muskeln wie elektrisiert anspannten. Hin und wieder traute sie sich nicht einmal zu atmen. Ihre Hand umgriff eine Leiter, die zu einer Rutsche führte. Damals assoziierte sie all dies mit Spaß und kindlichen Irrsinn, man wollte vor allen anderen Kindern oben sein, um dann als allererstes hinunterzurutschen. Keiner wollte sich anstellen. Und wenn man von oben hinabblickte, erkannte man die gehobenen Arme der Kinder, die von dieser Entfernung mickriger wirkten, als von Angesicht zu Angesicht. Genau genommen hatte sich heute nicht groß etwas verändert. Wer oben stand und Chlor in den Augen hatte, konnte sich gut einbilden dass alles noch so wie früher war. Zombies wirkten von dort oben zwar noch bedrohlich, doch der Höhenunterschied wog einen in die nötige Sicherheit, welche man sich ersehnte. Young-mi schlief meistens oben auf der Rutsche. Da das Becken nicht mehr allzu voll war und der Strom ausgeschaltet war, lief kein Wasser von der Rutsche hinab. Und trotzdem hatte sie eine zurechtgeschnittene Matte mühevoll hineingepresst, damit sie im Schlaf nicht ungewollt hinunterrutschte. Schützend zog sie ihre Knie an sich und umschlang ihre Beine mit ihren dürren Armen, ehe sie ihr Kinn auf die angewinkelten Knie ablegte. Es war anstrengend so lange auf der Lauer zu liegen. Wann war das letzte Mal, dass sie durchschlief? Wobei Schlaf mittlerweile ebenfalls zu etwas wurde, was ihr Angst machte.

Draußen ging allmählich die Sonne unter, was bedeutete, dass es für Young-mi deutlich gefährlicher wurde. Es wurde dunkler und die Reflektion in der Glastür schwand immer mehr. Aus Angst, Zombies anzulocken, verblieb sie meistens in kompletter Dunkelheit. Doch jetzt war es vielleicht ein guter Zeitpunkt, zur Rutsche hinaufzuklettern. Von dort oben war ihr Ausblick zumindest etwas besser. Außerdem bekam sie langsam Hunger. Oben angekommen, öffnete sie den Rucksack und kramte eine geöffnete Box an Keksen hervor. Der Großteil von ihnen war zerbrochen und mittlerweile etwas aufgeweicht, doch es schien nicht so, als hätte Young-mi eine große Auswahl an Nahrung. Wer wählerisch war, überlebte nicht lange. So hockte sie sich im Schneidersitz auf den kleinen Vorsprung, wo man damals lediglich sehnsüchtig drauf wartete, bis die Ampel grün wurde, um dann loszurutschen.


RE: just keep swimming - Cho Taegun - 04.10.2026

In der Theorie hatte Taegun nichts gegen schlechte Ideen. Die besten Geschichten fingen schliesslich oft mit einer an. Und die meisten beschissenen Tode vermutlich auch. Doch über derartige Details machte man sich besser keine Gedanken, wenn einem gerade ein Haufen verwesender Arschlöcher nachstellte.
Seine Schuhsohlen quietschten auf den feuchten Fliesen, als er um die nächste Ecke hastete und dabei mit der Schulter gegen einen metallenen Türrahmen stiess. Irgendwo hinter ihm polterte es, begleitet von jenem feuchten Gurgeln, das er mittlerweile nur zu gut kannte. Vermutlich hatte einer seiner Verfolger Bekanntschaft mit einem statischen Objekt gemacht. Offenbar hatten sie also doch nicht jeden Teil ihrer Menschlichkeit verloren. Dämlich und tollpatschig waren sie schliesslich immer noch.
Wobei er sich selbst nicht einmal aus dieser Rechnung ausnahm. Immerhin war er dämlich genug gewesen, in diesem verdammten Schwimmbad zu landen, obwohl er dort definitiv nicht hatte landen wollen. Schwimmbäder waren schon immer wie Labyrinthe gewesen, und eine Zombieapokalypse machte die Orientierung darin nicht gerade einfacher. Sublimity, dachte er. So hiess Level 37 der Backrooms. Ein weitläufiger Komplex aus miteinander verbundenen Räumen und Gängen, der in welligem, lauwarmem Wasser versunken war. Wenig überraschend, dass dieser Level von Hallenbädern wie diesem inspiriert war. Nur gab es in den Backrooms meistens keine Zombies, was allerdings nicht bedeutete, dass sie deshalb sicherer waren. Tatsächlich waren ihm die Zombies letztendlich sogar lieber als die Entities, die sich dort herumtrieben. Bei den Zombies wusste er immerhin, wohin er zielen musste, um sie aus der Existenz zu löschen.
Wie auch immer. Eigentlich hatte sein Plan lediglich darin bestanden, den Snackladen der Bude um ein paar Vorräte zu erleichtern und anschliessend in das kleine Bürogebäude zurückzukehren, in dem er sich derzeit mit Giselle versteckte. Dass es hier von diesen Drecksviechern nur so wimmelte, hätte man vielleicht erwarten sollen, aber so wirklich damit gerechnet hatte er nicht. Und nun durfte er zusehen, wie er seinen Arsch wieder aus dieser Situation rettete.

Er stiess die nächste Tür auf und sah sich kurz um. Chlorgeruch schlug ihm entgegen, schwächer als früher, aber dennoch unverkennbar. Vor ihm erstreckte sich die eigentliche Schwimmhalle. Ein weitläufiger, offener Raum mit breiten Becken, nassen Fliesen, einer Glasfront, durch die das letzte Tageslicht fiel, Sprungtürmen und einer Wasserrutsche. Ein denkbar schlechter Ort, um sich zu verstecken, denn Deckung gab es hier kaum. Die Rutsche bot immerhin einen erhöhten Rückzugsort, der nicht von allen Seiten zugänglich war. Zumindest würde er dort nicht gleich von mehreren dieser Viecher gleichzeitig überrannt werden.
Hinter sich zog er die Tür zu und blockierte sie notdürftig mit einem Besenstiel. Kurz darauf krachte etwas gegen das Metall. Nicht besonders heftig, aber doch fest genug, um ihn daran zu erinnern, dass seine unerwünschte Fanbase noch immer an ihm interessiert war. Taegun wartete nicht darauf, dass sie einen Weg hinein fanden, sondern setzte sich in Bewegung und steuerte die Wasserrutsche an.
Er nahm die Stufen und Sprossen nach oben, hielt jedoch auf halbem Weg inne. Irgendetwas hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Ein leises Geräusch, das weder von den Zombies hinter ihm noch vom Wasser in den Becken zu stammen schien. Vielleicht hatte er sich auch getäuscht, doch irgendetwas sagte ihm, dass er hier nicht allein war. Entsprechend vorsichtig legte er die letzten Meter zurück, eine Hand fest um den Griff seiner Waffe geschlossen.
Menschen waren inzwischen mindestens genauso beschissen einzuschätzen wie Zombies. Bei denen wusste man wenigstens, woran man war. Sie wollten fressen. Ende der Motivationsanalyse. Menschen hingegen logen, schossen, klauten und erzählten einem danach noch, man hätte sie dazu gezwungen.
Als sein Kopf schliesslich über die Kante der Plattform ragte, bestätigte sich sein Verdacht. Da war tatsächlich jemand. Taegun hielt abrupt inne. Sein Blick wanderte von der Gestalt zum Rucksack, weiter zu der geöffneten Packung Kekse und schliesslich wieder zurück. Offenbar hatte sich hier jemand häuslich eingerichtet. Das Poltern an der Tür unter ihnen erinnerte ihn allerdings daran, dass er gerade keine besonders grosse Auswahl an Alternativen hatte. Ob es der Fremden nun passte oder nicht, er würde sich zumindest so lange hier oben aufhalten müssen, bis seine Verfolger eine interessantere Beschäftigung gefunden hatten.
Langsam hob er eine Hand, während die andere dort blieb, wo sie war, ohne dass er die Waffe direkt auf sie richtete. "Bevor du irgendwas Dummes machst," begann er leise und warf einen kurzen Blick zurück in Richtung Halle, "ich bin nicht wegen deiner Kekse hier." Sein Blick fand wieder den der jungen Frau, und seine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln. "Die sehen sowieso ziemlich erbärmlich aus."


RE: just keep swimming - Bang Young-mi - 04.10.2026

Young-mi hörte es schon poltern, als sie es sich in ihrer Rutsche bequem machte. Nun ja, so bequem, wie man es sich eben in solch einer Situation machen konnte. Die Höhe gab ihr wenigstens etwas Sicherheit, zumal Zombies sie nicht direkt hier oben fanden. Sie reagierten eher auf Geräusche und Bewegung und gerade dort oben konnte man immerhin alles notdürftig verschleiern. Womit sie allerdings am wenigsten rechnete, war, dass mögliche Menschen dieses Schwimmbad betraten. Demnach behielt sie ihren Keks wie versteinert im Mund, als auf einmal die schwere Metalltür zum Becken knallte. Young-mi traute sich nicht zu kauen, demnach weichte der Keks nur noch weiter unter ihrem Speichel auf, ehe sie diesen ohne weiteres Kauen runterschluckte, als sei er eine übergroße Tablette. Ihr Körper presste sich an die gebogene Rutschenwand hinter sich, ehe sie zusammenzuckte, als auf einmal das Metallgerüst der Leiter begann zu erzittern. Es kam tatsächlich jemand hoch! Ihre Reflexe wurden schnell, sie kramte in ihrem Rucksack umher, ein weiterer Keks landete in ihrem Mund, ehe sie ein stumpfes Messer hinausfischte und es zitternd vor sich hielt. Mit der Zeit lernte sie, dass man alles und jedem gegenüber misstrauisch sein sollte. Ein Zombie konnte es jedenfalls nicht sein, dafür ächzte und gurgelte die Person zu wenig. Demnach hockte sie einfach dort und wartete auf das unumkehrbare Schicksal. Ihre Kehle schnürte sich immer weiter zu, der Griff um das stumpfe Messer wurde immer fester.
Und dann, als der Kopf der fremden Person fast schon auf Augenhöhe mit ihr war, erwartete sie bereits das Schlimmste. Das war es wohl mit Bang Young-mi. Sie konnte ihr eigenes, ängstliches Gesicht in der Spiegelung seiner Brille erkennen. Und dass er eine deutlich bessere Waffe, als sie besaß, führte augenblicklich dazu, dass sie schlaff ihr Messer absenkte, sodass es auf ihrer weiten Hose ruhte. Es war dämlich, jemanden anzugreifen, der eine Pistole besaß. Er sprach sie einfach an, als sei diese Begegnung das Normalste auf Erden. Ihr letzter Kontakt mit lebendigen Menschen lag etwas in der Vergangenheit. Ebenso war sie überrascht darüber, dass er sich über ihre Kekse amüsierte. Der ängstliche Blick formte sich allmählich zu einem konfusen. "E-Es ist nicht so, als wäre die Auswahl sonderlich riesig", ihr Blick schweifte zur Metalltür, wo sich scheinbar Zombies vor tummelten und sich hirnlos dagegen warfen. Das wars wohl mit ihrem Versteck. Entweder handelte es sich bei ihm um jemanden, der die Situation nicht sonderlich ernst nahm oder er pflegte regen Kontakt zu anderen Menschen. Young-mi eröffnete solche Begegnungen jedenfalls nicht mit saloppen Sprüchen. Sie schaute ihm nicht mal in die Augen, das konnte sie nicht. Stattdessen fixierte sie ihren Blick auf eine Schraube, die die Rutsche hier zusammenhielt. Entschlossen atmete sie aus. "Okay, du kannst alles haben. Solange du mich nicht tötest", entwich es ihr nun. Gegen einen Kerl kam sie sowieso nicht an, noch weniger, wenn dieser eine Knarre besaß. Wobei ... er trug eine Brille. Sollte er ohne diese fast blind sein, könnte er immerhin nicht zielen. Okay nein, das machen wir bitte nicht, Young-mi. "Nimm alles, außer die Kekse. Die findest du ja eh scheiße", sie schob ihren räudigen Rucksack in seine Richtung. Dann fuhr sie sich gestresst mit den Händen über ihr Gesicht. Natürlich ging sie immer von dem Schlimmsten aus. Zwar war sie nicht wirklich pessimistisch veranlagt, aber heutzutage konnte man solch eine Reaktion schon als realistisch betiteln. "Wo soll ich nur hin?", sie kaute an ihrem Zeigefinger, blickte sich unsicher um, ehe sie aus dem riesigen Fenster blickte.