27.09.2026, 03:36
Szeneninformationen
Lieber als darüber zu sinnieren, wie sie ihren Körper behandelte oder mit Altlasten umging, regte sie sich über die Hausarbeiten auf. Das Studium schien ihr ein geringer Kummer zu sein, nichts im Vergleich zu ihren wahren Problemen und doch genug Nerven zu rauben. “Ich hab nie behauptet, sonderlich viel Geduld zu besitzen”, dann flogen eben mal ein paar Dinge herum, solange sich kein Nachbar über den Lärm beschwerte, der dabei entstehen konte, war ihr das Chaos egal. “Noch gabs zumindest keine Beschwerden oder mahnende Zettel an meiner Tür.” So oder so müsste sie es aufräumen und den Aufsatz von Neuem beginnen. Trotz ihres Frustes sah sie darin ein Privileg, eine Freiheit, die sie zuvor nie gekostet hatte. Kaum merklich hielt sie inne, bevor sie auf sein Angebot antwortete, kratzte er manchmal doch gefährlich nah an Abgründe entlang, die sie ihm nicht offenbaren wollte. “Wenn du dir zu allem auch noch Zeit für Sklavenarbeit einräumen willst, nur zu. Wer bin ich schon, um dir zu erzählen, dass der Tag nur vierundzwanzig Stunden hat, selbst für dich.” Jieun schnaubte leicht, wies das Hilfsangebot tatsächlich nicht ab. Nicht nur aus Eigennutz, sondern auch, weil ihr die anderen Ablehnungen durchaus nicht so leicht fielen wie sie erschienen.
Sein Lachen half dabei, die kurze Anspannung und das mulmige Gefühl in ihrem Inneren zu lindern, konnte er doch nicht wissen, dass sein Angebot auf Wehmut und Schmerz stieß, statt auf Freude. “Du, mir ist es ziemlich egal, was du bestellst. Vor mir musst du nicht mitziehen um “cool” zu sein”, schnaubte sie nur, immerhin hatte sie ihm die Softie-Version des Wunschgerichtes angeboten, aber zwingen würde sie ihn nicht. Wenn er leiden wollte, sollte er es tun – und Jieun dabei vielleicht ein wenig amüsieren. “Der Unterschied ist, ich genieße das. Aber beschwer dich dann nicht, wenn ich über dich lache, weil du nicht auf mich hören wolltest.” schmunzelnd stieß sie ihren Atem aus, genoss die frischer erscheinende Luft, in der sich schon der Hauch von warmem Streetfood herausschnuppern ließ. Die Blüten schimmerten sanft im Abendlicht, doch die Süße wurde von gegrilltem Fleisch und herzhaften Gewürzen übertüncht, je weiter sie gingen. Auch ihr Magen grummelte nun und sie warf Woojin ein schiefes Lächeln zu. “Bei dem Geruch bin ich froh, doch noch einem späten Snack zugestimmt zu haben”, gab sie also zu, dass sein Vorschlag doch keine schlechte Idee gewesen war.
Die Lichter der Buden unterbrach das Idyll des Parkes, und die Stille verschwand hinter ihnen. Gab es doch noch einige Nachtschwärmer, die dem Angebot nicht widerstehen konnten, wenngleich es zum Glück nicht so brechend voll war, wie zu normalen, nicht gottlosen Zeiten. “Ding-ding-ding, Volltreffer würde ich sagen.” stimmte sie fast erheitert zu, als Woojin auf besagten Stand einer älteren Dame zeigte, vor dem sie nur wenig später standen um ihre Bestellungen aufzugeben. Sacht zog sie die dunklen Augenbrauen zusammen, als er meinte, dass sie vorgehen sollte und wortlos für sie bezahlte. Na gut, wenn er ihretwegen Bankrott gehen wollte, würde sie ihn nicht stoppen, und doch presste sie leicht ihre vollen Lippen aufeinander. Nickte der netten alten Lady kurz zu, um nicht ganz so respektlos zu erscheinen, wie sie nunmal war, und schlenderte zu dem Zelt hinüber. Die Hände in der Jackentasche umfasste sie die Tickets kurz fester, ehe sie sich auf die Bank ganz hinten plumpsen ließ und langgezogen ausatmete. "Ich hoffe du hast wenigstens dein Fahrrad angeschlossen, wenns nachher geklaut ist, musst du mich als Strafe huckepack tragen.” ihr Blick huschte zu der kleinen Sojuflasche, auch wenn es nicht ausreichen würde, um sie betrunken genug zu machen, damit sie überhaupt auf die Idee kam, sich tragen zu lassen. Während er sich setzte und sie gemeinsam auf die Gerichte warteten erhob sie dann doch die Stimme. “Weißt du, du musst nicht für mich bezahlen. Wozu gehe ich denn sonst nachts arbeiten?” ihre Ellenbogen auf der Tischplatte abstützend, legte sie ihr Kinn auf ihrer einen Handfläche ab und begegnete Woojins neugierigen Blick. “Geht, hab schon Schlimmeres überlebt”, schnaubte sie also und unterbrach automatisch den Blickkontakt, musterte plötzlich eher das Muster aus Knicken und Flecken auf der Zeltinnenseite hinter ihm. “Du kannst trotzdem mein düsteres Apartment besuchen. Auch ohne Zusatzarbeit.” so biss sie sich auf die Innenseite ihrer Wange, weil es definitiv wie eine Einladung klang. War es auch. Brauchte er doch eigentlich keine und auch keinen Grund, um sie besuchen zu kommen. Umso mehr freute sie sich darüber, dass das Bringen ihrer Bestellung den kleinen Moment unterbrach, setzte die alte Lady das Tablett mit dem Essen zwischen ihnen ab und wünschte einen guten Appetit – jedoch nicht ohne laut darüber zu sinnieren wie niedlich junge Paare doch seien. Die plötzliche Hitze in ihren eigenen Wangen ignorierend, öffnete sie dann doch etwas abrupt die Sojuflasche. “Ich nehme an, du willst nichts davon?” nachdem er sie schon ausgegeben hatte, wollte sie zumindest sichergehen, bevor sie ihre Scham mit dem Brennen von Alkohol betäuben konnte – auch wenn Soju dafür ohnehin zu schwach war.



