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Before Tomorrow
vor dem Ausbruch der Seuche | Innenstadt Incheon
Szeneninformationen
Charaktere
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
18. Juli 2026
Kwon Woo-Jin

Kwon Woo-Jin
24 Jahre alt
14.02.2001
Jung-gu (중구)
Fireflies
Versorgungssuche
ledig
Mai
#9
Szeneninformationen
Charaktere: Kwon Woo-Jin & Song Jieun
Szeneneinstellung: feste Postreihenfolge
Datum: 18. Juli 2026
Nach einer eifrigen Überlegung kam der Baseballer zum Schluss, dass er keinen Präsidenten in der Geschichte der Menschheit kannte, der über den makellosen Charakterzug der Bescheidenheit verfügte. Unter seinem neuen Titel als 'Präsident-Gutmensch' reihte er sich unfreiwillig mit in die Reihe dieser Politiker ein. „Oh, wow, neuer Kosename. Fortschritt.“ Grob betrachtet sogar ein Großer, aber das machte Jin nicht zu einem Aufhänger, sonst würde ihn Ji-Eun mit giftigen Blicken taxieren und die knallten richtig. „Bei deiner dunklen Kleiderwahl könnte man übrigens doch denken, dass du einen vampirischen Fetisch besitzt.“ Ohne Kitzel, frei vom Weiß, wirkte ihre zierliche Gestalt in den oversized Klamotten, allesamt in dunklen Tönen, sehr düster und bekanntlich mochten Illustratoren von Dark Romance genau die gleiche Farbgebung. Auf der anderen Seite, könnte seine beste Freundin, genauso gut, ein halbes Goth- oder Emogirly sein, aber beide Genre-Richtungen passten nicht zu 100% zu ihrem freigeistigen Verhalten, das er an ihr wertschätzte.
Schubladendenken war eh nicht seins, und, wenn man sich die Mühe machte (und, das tat er), erkannte man auf den zweiten Blick direkt, dass Song Ji-Eun keine Stereotypen bediente und in keine Nische passte, was sie ihrer Einzigartigkeit verdankte. Bevor der Student jedoch in Gedanken auf seiner eigenen Schleimspur ausrutschte, besann er sich lieber und besser auf den Weg vor ihnen, durch den nahezu friedlich wirkenden Park. „Ach, mein armes, muskelbepacktes Herz.“ Einmal rieb der Dunkelhaarige sich über die Brusthälfte, unter der sein Lebensmuskel pochte, und verarbeitete kläglich in Szene gesetzt, ihre Abfuhr zur kostenlosen Kutschfahrt. „Du bist heute echt sehr verneinend mir gegenüber. Hast du heute deinen Nein-Tag?“ Die Möglichkeit eines solchen Umstands bestand tatsächlich und er machte sich nicht darüber lustig, nahm die Variable als Selbstverständlichkeit hin, denn einmal im Monat musste die weibliche Bevölkerung unter einem Zyklus leiden, der sie alle für eine Woche in Gremlins verwandelte. „Ich komm' klar, das nicht die erste Abfuhr.“ - und nicht ihre Letzte, was den Burschen aber nicht im Gegrinsten abschreckte. Dieses freundschaftliche Hin- und Her war inzwischen so normal, wie das tägliche Nachrichten schreiben seinerseits, auch, wenn er Ji-Eun sicher manchmal damit überforderte.
Leise klackernd rollte sein Rad neben ihm her. Die Reifen strichen leise über die Pflastersteine, seine Hand lag entspannt am Lenker, während die andere zwischendurch in seine Jackentasche wanderte. Der Weg führte sie tiefer zwischen die Bäume, fort von den großen Straßen und dem geschäftigen Strom der Stadt. Warme Laternen warfen goldene Flecken auf den Boden, und zwischen den dunklen Ästen schimmerten noch vereinzelte Fenster der umliegenden Hochhäuser. „Schmeißen würdest du dein Studium nie, nur deine Zettel und Hausarbeiten fliegen regelmäßig rum.“ Augenblick veränderte sich sein humorvoller Ausdruck in etwas Ruhigeres, er wirkte ernster, aber nicht minder zugänglich, wie immer. Er erinnerte sich an ihre zerknitterten Notizen, an die Male, in denen sie sich über Dozenten beschwerte, und trotzdem bis tief in die Nacht an irgendetwas saß, weil sie es eben doch unbedingt fertigbekommen wollte. „Hast du sie zerrissen, musst du wohl eine Neue schreiben. Ich hörte, dass dieser Gutmensch-Präsident hervorragend der Aufstellung von Inhaltsangaben und Satzbaugestaltung sein soll, ... und er hätte Termine frei?“ Bloß ein Angebot, hingeworfen vor ihre Füße, und die Jüngere entschied, ob sie es annehmen oder niedertrampeln wollte. Gedankenverloren strich sein Daumen über den Lenkradgriff, dann wandte er leicht den Kopf zu ihr und zwinkerte. „Bei ner' Hausarbeit geht's drum, ob du den Stoff verstanden hast, nicht, wie du die beste Note erreichst. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Die Ersten sind bequemer.“ Es war ein einfacher Satz, beinahe beiläufig gesprochen, und doch lag in seiner Stimme genug Aufrichtigkeit, dass er damit wahrscheinlich mehr meinte als nur eine Hausarbeit. Woo-Jin ließ es dabei bewenden. Er wusste, wann Worte helfen konnten und wann es besser war, einen Menschen nicht zu bedrängen. Genau deshalb, verlor er über das Kulturzentrum kein Sterbenswörtchen mehr, denn ihre ausbleibende Reaktion sprach Bände. Er ignorierte es nicht, sah er sehr genau, wie stockend sie Luft holte und ihre gerade noch belustige Stimme war heiser. Da war er also gerade wieder schön ins ... Fettnäpfchen gestürmt.

Die angebotene Softie-Version vom Essen veranlasste den Sportler auf Trab zu einem angenehmen, lauen Auflachen, das die Situation vielleicht auflockern konnte. „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mich jetzt noch drücken kann?“, erwiderte er mit jener warmen, samtigen Tonlage, die selbst seine neckischen Bemerkungen weicher zauberte. „Du hast höchstpersönlich angekündigt, dir die Seele aus dem Leib brennen zu wollen. Da kann ich schlecht als Zuschauer daneben stehen.“ Ji-Eun neckte noch, das war ein gutes Zeichen. Es waren diese kleinen Regungen, die er mochte. Nicht, weil er sie unbedingt hervorlocken wollte, sondern weil sie ihm jedes Mal verrieten, dass sie sich in seiner Nähe zumindest ein kleines bisschen weniger gegen die Welt stemmen musste.
An den Seiten standen überall Jasminsträucher, die Blüten schwer von ihrer eigenen Fülle. Ihr Duft lag in der Luft, süß und beinahe cremig, vermischte sich mit dem würzigen Geruch von gegrilltem Fleisch. Woo-Jin atmete tiefer ein und lächelte unwillkürlich. „Jetzt hab‘ ich Hunger ...“, murmelte er als wäre das eine höchst überraschende Erkenntnis, obwohl sein Magen vermutlich schon seit zehn Minuten protestierte. Sein Blick ging kurz nach vorn, seine Gedanken streiften die Karten in ihrer Tasche und damit auch die vielen Male, in denen Kollegen ihn gefragt hatten, warum Ji-Eun eigentlich immer wieder zu seinen Spielen kam, obwohl Baseball ganz offensichtlich nicht ihr Ding war. Jin führte das Fahrrad mit einer kleinen Bewegung um eine entgegenkommende ältere Dame herum, dann legte sich ein schiefes Lächeln auf seine Lippen. Die Erinnerung daran, wie er ihr früher nach Spielen mit leuchtenden Augen von irgendeinem besonders guten Spielzug erzählte, blitzte in ihm auf. Sie hatte meistens so getan als wäre es ihr völlig egal gewesen, und trotzdem hatte sie erstaunlich oft genau gewusst, an welcher Stelle er sich über etwas ärgerte.
Je näher sie dem Ende des Parks kamen, desto deutlicher wurde der Geruch des Essens. Würzige Soße, gerösteter Sesam, gebratenes Fleisch und diese schwere Süße von Gochujang lagen in der warmen Luft und wurden mit jedem Schritt intensiver. Zwischen den Bäumen tauchten schließlich die ersten Lichter der Stände auf, kleine Inseln aus Wärme und Farbe inmitten der dunkler werdenden Wege. Woo-Jin sah kurz zu Ji-Eun hinüber und bemerkte die kaum sichtbare Veränderung in ihrer Miene. „Da vorne.“, sagte er zufrieden und trotzdem mit leichten Kopfschmerzen. „Das sieht verdächtig nach deinem Abendessen aus.“
Wenig später erreichten sie den kleinen Stand, an dem eine ältere Frau hinter dem Grill stand und mit ruhigen, geübten Bewegungen Spieße wendete. Der freundliche Ausdruck in ihrem Gesicht wurde sofort wärmer, als sie die beiden näherkommen sah, und Woo-Jin begrüßte sie mit einer höflichen Verbeugung, bevor er sich nach ihren Empfehlungen erkundigte. Er bestellte zwei üppige Portionen, mitsamt Getränken und die Dame wies die jungen Erwachsenen in ein anliegendes Zelt, das über Bänke und Tische verfügte. „Geh' vor, bin gleich bei dir.“, meinte er nickend zu Ji-Eun, ehe er ungefragt bezahlte und die alte Verkäuferin seiner Besten die Gläser wie Getränke rüberreichte. Ausnahmsweise hatte er Ji-Eun sogar neben der Sprite eine kleine Flasche Soju mitbestellt.
Jin schob er sein Fahrrad an die Seite des kleinen Platzes und stellte es ordentlich ab, kontrollierte zweimal den Ständer und schob den Lenker gerade, bevor er sich zum Zelt zurück aufmachte. Er kam nicht drumherum, die Wege nach etwas Verdächtigem abzusehen, bevor er nach der Brünetten suchte und sich zu ihr an den Tisch setzte. Er ließ die Ruhe dieses Augenblicks auf sich wirken und sah mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln zu Ji-Eun hinüber. „Also ...“, meinte er schließlich, verschränkte die Hände locker vor sich auf dem Tisch und musterte sie mit ehrlicher Neugier: „.. wie schlimm ist diese Hausarbeit wirklich?“ Sein Lächeln wurde breiter, während er kurz den Kopf schief legte und in Richtung des Standes sah, von dem gerade ein weiterer Duftschwall zu ihnen herüberzog.
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Before Tomorrow - von Kwon Woo-Jin - 02.08.2026, 15:10
RE: Before Tomorrow - von Song Jieun - 02.08.2026, 22:39
RE: Before Tomorrow - von Kwon Woo-Jin - 02.08.2026, 23:54
RE: Before Tomorrow - von Song Jieun - 03.08.2026, 01:05
RE: Before Tomorrow - von Kwon Woo-Jin - 03.08.2026, 15:15
RE: Before Tomorrow - von Song Jieun - 06.08.2026, 00:46
RE: Before Tomorrow - von Kwon Woo-Jin - 10.08.2026, 10:38
RE: Before Tomorrow - von Song Jieun - 13.08.2026, 02:57
RE: Before Tomorrow - von Kwon Woo-Jin - 14.08.2026, 22:59

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