13.08.2026, 02:57
Szeneninformationen
“Ich mag keine Hot Dogs..” murrte sie also stattdessen und sah nicht ein, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, nur weil sie nicht seinetwegen angetanzt kam. Doch egal wie sehr sie sich sträubte und dagegen wehrte, ein wenig…saß der Kommentar dennoch. Wusste sie doch ganz genau, dass er ihretwegen Umwege machte, dauernd angelatscht kam und irgendwas für sie mitbrachte… Aus ihrer Komfortzone zu kommen, wäre eigentlich das Mindeste, was sie ihm zurückgeben könnte – was vielleicht auch Grund dafür wurde, wieso sie die Karten annahm, die er ihr mit roten Ohren entgegen streckte. ”Jetzt gerade sollten wir vielleicht besser up-to-date bleiben,” gab sie also zu und seufzte erneut. Auch wenn die ganzen Schlagzeilen wirr durcheinander geworfen wurden, hatte er recht und man könnte so auch wichtige Informationen verpassen, auch wenn sie glaubte, dass besonders wichtige Dinge ohnehin zu spät an die Oberfläche drangen.
Für ihn jedoch ging sie ohnehin mehr Kompromisse ein, als sie wollte, oder ihr sonst jemand aufdrängen könnte. Aussprechen tat sie dies nicht und hoffte einfach, dass er es nicht bemerkte – oder ansprach. Das Rauchen also schob sie nach hinten, auch wenn es den Hunger unterdrückte, der sich so etwas mehr in den Vordergrund schieben konnte, so dass sie ein leichtes Grummeln in der Bauchgegend überhaupt bemerkte. Behaupten, sonderlich gesund zu leben, tat sie immerhin nicht und es war ihr auch ziemlich egal. Der Gedanke daran, dass es ihn jedoch scherte, war seltsam…warm. “Du kannst es ja versuchen Präsident Gutmensch, aber an mir beißt du dir die Zähne aus,” versprach sie also beinahe schon, kniff leicht die Augen zusammen, weil er eine Umgewöhnung garnicht erst versuchen sollte – immerhin wäre sie auf Koffein- und Nikotinentzug gleich dreifach so ätzend und damit wahrlich eine unausstehliche Gesellschaft.
Von ihrer Position am Boden aus wirkte er gleich umso größer, auch wenn seine Haltung und die warmen Knopfaugen nicht gerade bedrohlich wirkten, fühlte sie sich so klein und kauernd nicht sonderlich wohl. Doch es war der Blutfleck, der sie nachdenklich und zweifelnd zurückließ, auch wenn sein Kommentar ihr ein Schnauben entlockte, noch während sie sich erhob. “Also meines Wissens nach, bin ich noch nicht zum Vampir geworden und hab auch noch keinen Blutfetisch entwickelt,” sie kräuselte etwas angeekelt die Nase und schüttelte den Kopf, auch wenn seine Worte ihr ein kaum merkliches Lächeln entlocken. Seine Augen waren och wärmer als seine Stimme, und so vermied sie, ihn länger anzusehen, geschweige ihm ihre gehobenen Mundwinkel zu zeigen, während sie schließlich von dem unangenehmen Kunden berichtete, der sein Lächeln so rasch weg wischte, wie Scheibenwischer eine geplatzte Mücke auf der Frontscheibe. “Pff-” gab sie schließlich von sich, war es doch besser die verstrichene Situation nicht weiter zu analysieren und sein folgender Gehorsam war eine willkommene Abwechslung zu ihrem stressigen Tag. Was er während ihres Umziehens alles in ihre Tasche schmuggelte, ahnte Jieun ja nicht, noch bemerkte sie es direkt und trat hinaus in die frische Abendluft, während sie die Arbeit und Gedanken von zuvor abschüttelte.
“Definitiv” stimmte sie seinem Kompliment möglichst unbeeindruckt zu und grub sich etwas mehr in die oversized geschnittene Lederjacke hinein, ließ ihre Hände in die Taschen gleiten und verschwand ein wenig in dem alten, weichen Stoff. “Tut gut, den Kittel los zu werden, ich mag Ärzte nich,” aus guten Gründen, war ihr Vater doch ihr größter Albtraum in weiß. Und vielleicht der Grund, wieso sie selbst nie als Ärztin würde arbeiten können, auch wenn sie ohnehin die unfreundlichste Krankenschwester oder Pflegeperson werden würde, die die Welt zu bieten hatte. Auch nicht gerade besser. “Weiß steht mir sowieso nicht.” tat sie mit einem Schulterzucken ab – und fand sich in ihrer Garderobe auch nicht gerade wieder. Schwarz und grau dominierte, ab und an mal etwas Erdiges oder Dunkelblaues. “Abgelehnt,” brummte sie und blinzelte langsam um die kitschige, prinzenhafte Einladung zu verdauen. “Ich hab zwei gesunde Füße.” Lüge. Doch ein Teil von ihr fürchtete sich beinahe davor, wie es wäre, ihm zu nah zukommen. Seicht fröstelnd schüttelte sie demonstrativ den Kopf und streckte das Gesicht gen Nachthimmel. Kalt, aber nicht beißend. Angenehm. Ruhig und friedlich beinahe. Und sie genoss, dass sie einander schweigend Gesellschaft leisten konnten, dass er nicht immer die Stille füllte, aber die Leere nahm. “Oh, frag lieber nicht. Die Antwort wird dir nicht gefallen,” fast belustigt kräuselte sie die Nase. “Hab sie zerissen, vielleicht sollte ich das Studium wirklich schmeißen,” nicht mehr als eine Überlegung, der sie nicht wirklich nachging und doch manchmal eine gute Idee, wie sie fand.
Die Belustigung hörte sie deutlich in seiner samtigen Stimme auch ohne ihn anzusehen, und doch ließ der Ton sie aufsehen und einen Blick zur Seite hinüber werfen. Die Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, noch während er sprach, abwartend und doch stumm mit Kritik aufwartend, noch bevor sie wusste, worauf er hinaus wollte. Zurück blieb…stilles Staunen. Verwunderung. Ein Hauch Überraschung, die sie innerlich seltsam wund fühlen ließ–
Tanzen, war für sie noch immer ein schmerzliches Thema, etwas, das sie vorsichtig betrachtete und betastete, endete es doch oft in Frust und stummer, brodelnder Wut. Weil sie nicht mehr konnte, wie sie wollte, weil es weh tat, ihr geraubt worden war, so wie der Großteil ihrer Unschuld. Stockend einatmend wusste sie einen Moment tatsächlich nicht, was sie sagen sollte, oder wollte – was bei Jieun selten vorkam.
Doch Woojin wäre nicht er, wenn er nicht einen Ausweg bot, stattdessen nach vorn deutete und sie von ihrem Zwiespalt ablenkte. Die Lippen aufeinanderpressend, atmete sie langsam durch die Nase aus, schob das Ekelgefühl von sich, ebenso wie den Drang sich eine Zigarette anzuzünden, oder ihre Nägel in ihre Haut zu bohren. Konzentrierte sich stattdessen auf seine Stimme, die sich über die Schärfe ihres gewünschten Gerichts beschwerte.
“Du kannst auch die Softie-Version bestellten, dann blamierst du dich nicht.” bot sie an, fast neckend, doch die Stimme ein wenig heiserer als vorher. "Aber ich will mir die Seele rausbrennen. Sonst bin ich nicht happy mit dem Laden."



