06.08.2026, 00:46
Szeneninformationen
Ihre zusammengezogenen Augenbrauen und die leicht gekräuselten Lippen zeugten eindeutig von ihrer “Überzeugtheit”, als er von der Heilung menschlicher Dummheit sprach. “Viel Spaß, wenn du´s versuchen willst.” ihr war es zu viel unnütze Mühe, setzte sie sich doch lieber einfach nicht mit Anderen auseinander. Eigentlich jedenfalls. Die Ausnahme stand gerade hier in der Apotheke und schmollte über ihre Begeisterung bezüglich social distancing. Konnte ja nicht jeder in der Bewunderung und Aufmerksamkeit anderer schwimmen und gedeihen.
“Balance,” echote sie tonlos und presste kurz die vollen Lippen aufeinander, fühlte sich durch seine folgenden Worte…beinahe ertappt. Nur kurz hielt die unangenehme Welle an, die durch ihr Inneres schwappte, ehe sich die Wogen glätteten und so auch einen Herzschlag später ihre Gesichtszüge. “Naja, ich hab gleich Feierabend, so übel kann es also nicht mehr sein,” rechtfertigte sie dann beinahe, schob es auf den Moment und nicht auf einen Allgemeinzustand der verdammt genau zutraf. Ansehen tat sie ihn dabei nicht und war froh, dass er genauestens noch ein paar Schachteln richtete, ordentlicher als sie als Mitarbeiterin…die dafür bezahlt wurde. Stumm schüttelte sie den Kopf und atmete langgezogen aus. Schlussendlich würden sie ohnehin nur sehen können, was auf sie zukam, wenn es soweit war. Fast als hätten sie keine Kontrolle über ihr Leben und die Studentin hasste es. “Zum Beispiel irgendwelche Promi-Skandale, oder neuen Hype-Produkte, die man unbedingt kaufen muss, weil man ohne nicht überleben würde?” kommentierte sie also zynisch klingend, immerhin war es ziemlich abgefuckt, dass sowas echte Probleme unter den Teppich kehrte. Als würde man in einer surrealen Realität existieren.
“Wenns sein muss,” stimmte sie seinem Kompromiss, wie er es nannte, relativ einfach zu. Zumindest für ihre Verhältnisse, ohne Diskussion, wenn und aber, oder widerspenstige Ablehnung. Aber manchmal war alles davon bei ihm vergebliche Müh. Bekam er bei ihr doch öfter seinen Willen, als ihr lieb war oder sie zugeben würde, hoffte einfach, dass es weiterhin unbemerkt und vor allem unangemerkt vonstatten ging. “Meine Spezialität,” schmunzelte sie beinahe ein wenig und ließ kurz ein schiefes Lächeln sehen. Doch wer nicht versuchte, andere stolz oder glücklich zu machen, scheiterte auch nicht daran, hatte sie ihren Status des Enttäuschens doch nicht nur akzeptiert, sondern verfeinert. Bodenlos scharfes Essen klang heute aber tatsächlich nicht so übel, somit würde der Kaffee nicht einsam am Abend in ihrem Bauch herum schwappen, wenn sie sich in ihrem Bett herumwälzte. Der Nachteil wäre nur, das Brennen in ihrem Hals und auf ihrer Zunge, falls sie nach schlechten Träumen aufwachte. “Darauf könntest du Wetten, und 9 von 10 Mal richtig liegen.” immerhin verbot man ihr nicht unter dem Kittel etwas persönliches zu tragen.
Eine Einladung hatte sie nicht erwartet, noch weniger, aber sichtbar rote Wangen, die bei ihr so etwas wie Sorge aufflackern ließen. So konnte er von Glück sprechen, dass der Blutfleck am Boden sie ablenkte, bevor sie ihm das ganze noch unangenehmer machte. Am Boden hockend sah sie skeptisch zu ihm auf, als er sein Bein vorschob, als müsste er sie von etwas Dummen abhalten. Die Augen zusammenkneifend, ließ sie ihren Blick sein Fuß das Knie hinauf, über die Körpermitte zu seinem Gesicht hoch wandern und starrte ihn kurz in einer Mischung aus Irritation und Genervtheit an. “Denkst du wirklich, ich hab vor, dran zu lecken?” fragte sie also mit einem Schnauben, ehe sie sich mit einem kleinen Ächzen auf die Füße erhob. Auch anfassen wollte sie fremdes, geronnenes Blut nicht wirklich…auch wenn es vielleicht etwas anderes als die Körperflüssigkeit hätte sein können, beschlich sie das stumme Gefühl der Überzeugtheit. Wusste sie doch, dass es Blut sein musste. Hatte oft genug den Farbton gesehen, konnte sich einbilden, den metallischen Duft wahrzunehmen, was sie erschaudern ließ. Es war Schwachsinn, so eine kleine Menge konnte nicht riechen und doch wurde ihr kurz schlecht. Demonstrativ die Arme verschränkend, wusste sie, dass es beinahe wirkte, als wäre sie sauer auf ihn. Doch lag es nicht an ihm, dass sie sich Körpersprachlich verkapselte. “Keine Ahnung, hab keine Wunde gesehen, aber er wirkte, als hätte er sich was eingeschmissen – oder Fieber. Oder beides. kann also sein, dass er sich bei der Aktion hier verletzt hat…oder vorher.” mutmaßte sie, war es doch ihnen beiden klar, dass das Blut von dem Typen stammen musste, der hier vorher kurz randaliert hatte, bevor er davon gestürzt war.
“Du fängst schon wieder an, Schwachsinn zu labern,” schnaubte sie, wusste er doch die spürbare Anspannung zu lockern und sie schüttelte mit einem Schnauben den Kopf. “Warte ruhig draußen, ich zieh mich eben um.” meinte sie also mit einer wegwerfenden Handbewegung. Mir passiert in den fünf Minuten schon nichts,” und auch die Nase musste sie sich nicht pudern. Allein der Gedanke ließ sie erneut schnauben. Weder eilig, noch unnötig langsam drehte sie ihm also den Rücken zu und stapfte zum Tresen um dahinter den Mitarbeiterbereich zu betreten. Dort wo ihre Schuhe standen und ihre Jacke hing. Den Kittel schob sie schon auf dem Weg ihre Schultern und Arme hinab, knüllte ihn zusammen, aber nicht ohne vorher die Karten aus den Taschen zu fischen und kurz in ihre Tasche zu stecken, ehe sie die Tür hinter sich schloss, ihr Laufwerk wechselte und die Lederjacke über das Shirt zog. Das Zopfgummi verschwand ebenso aus ihrem schwarzen Haar, und kurz fuhr sie sich mit der Hand durch diese, als sie wieder raus kam, ihre Tasche hinter dem Tresen hervor fischte und schließlich die Apotheke hinter sich ließ. Sie verschloss die Tür und warf den Schlüsselbund ebenfalls in ihre Tasche – hatte die Putzfrau doch ihren eigenen. “Von mir aus können wir,” meinte sie also, auch wenn es ihr in den Fingerspitze kribbelte, jetzt schon eine Zigarette anzustecken. Stattdessen nahm sie noch einen Schluck vom Kaffee, der inzwischen eher lauwarm als heiß war und auch nicht mehr allzu voll.



