03.08.2026, 15:15
Szeneninformationen
Durchgeknallte mit zwei- oder dreihundert Gehirnzellen weniger? Die Beschreibung wurde immer wilder und das warme Lächeln auf seinen Lippen entglitt ihm, wechselte in nachdenkliche, ehrliche Besorgnis, warum sein Gesicht eine Gradwanderung aus Missbehagen und Überlegung zeigte. „Das wäre immerhin eine medizinisch interessante Diagnose.“, erwiderte Woo-Jin ruhig, während er die letzte Schachtel an ihren Platz schob. „Wobei ich fürchte, dagegen helfen nicht mal die Vitamingummis aus Regal vier.“ Einmal wanderte sein Augenmaß über die ordentlich ausgerichteten Packungen. Fast automatisch strich er mit den Fingerspitzen über eine leicht hervorstehende Schachtel und schob sie einen Zentimeter zurück. Der Teufel steckte im Detail.
„Gesundheitsfanatiker? Autsch.“ Gespielt gekränkt fasste der Hüne sich an die Brust und rieb mit der flachen Hand über sein Herz, das Ji-Eun angriff. Mehr als ihnen beiden bewusst war. „Gegen Dummheit kann man sich heilen lassen. Braucht bloß Wille und Übung. Just saying.“ Schulterzuckend lehnte er sich entspannt gegen die freie Wandfläche im Laden, wo früher mal ein Spiegel gehangen hatte, jetzt aber nicht mehr da war. Das Teil war ihnen mehrmals kaputt gegangen, weil angetrunkene Gäste nicht immer klar bei Verstand Dinge taten, die andere Dinge kaputt machten. Er schob bei ihrer Äußerung zum Home-Office die Unterlippe mäkelnd vor, denn ihm würde das überhaupt nicht in den Kram passen. Ji-Eun würde sich einigeln in ihrem Apartment und gar nicht mehr vor die Tür kommen, außer für ihren Nebenjob und zur Essensbesorgung.
Über ihre mimische Kunst im Nachklang, weil seine lieben Worte sie einmal innerlich und äußerlich durchschüttelten, schnaufte der (B)Engel. „Ich mag deine schlechte Laune, gleicht meine Gute aus. Dann ist alles in Balance.“, gab er zu und ließ seinen aufmerksamen Blick für einen Augenblick durch die Schaufensterscheibe nach draußen gleiten. „Tatsächlich glaube ich aber, dass du in Wahrheit gar keine richtige, schlechte Laune hast.“ Du bist nur ziemlich gut darin, Menschen glauben zu lassen, sie sollten lieber Abstand halten. Es war eine Beobachtung, die ihm längst durch den Kopf gegangen war, ohne dass er sie je aussprach. Er wollte ja nicht Gefahr laufen, dass seine Beste ihm eins mit der Keule über den Hinterkopf zog.
Die Straße draußen wirkte noch immer belebt. Ein Pärchen schlenderte lachend über den Gehweg, irgendwo summte das Neonlicht eines geöffneten Convenience Stores, ein Lieferroller verschwand mit aufheulendem Motor in der nächsten Seitenstraße. Alles sah aus wie an jedem anderen Abend. Er wusste selbst nicht genau, weshalb ihn das Gefühl beschlich, dass die Stadt heute anders klang. „Schätze mal, dass in ein paar Wochen keiner mehr darüber spricht. Über diese neue Krankheit, Hamsterkäufe ...“, meinte er schließlich und zuckte leicht mit den Schultern. „Irgendwas findet sich immer, worüber die Nachrichten sich als Nächstes aufregen können.“ Simpler Fakt. Und, doch das mit der neuen Grippewelle .. an der These hörte Woo-Jin sich fest, weil er an seine kleine Schwester dachte, die als Kind jeden Infekt mitnahm und nicht gerade die beste gesundheitliche Verfassung mitbrachte. Impfungen waren auch so eine Sache, denen er kritisch gegenüberstand.
Ihr geäußerter Wunsch nach neuen Zigaretten löste in ihm eine mentale Debatte für Vor- und Nachteile vom Rauchen aus, die er ihr ersparte. Ji-Eun besaß da taube Ohren. „Na gut.“, seufzte er gespielt ergeben. „Dann handle ich eben einen Kompromiss aus. Erst isst du was Vernünftiges-“ Beschwörend hob er den Zeigefinger in die Luft und zog einen Kreis durchs helle Licht. „.. danach darfst du mich enttäuschen.“ Mehr sagte er dazu nicht. Manche Kämpfe gewann man nicht, indem man sie mit Ach und Krach führte.
Etwas verspätet reagierte Woo-Jin noch auf ihren Einwurf, wie schnell er die Regale wieder voll bekam, und zupfte sich stolz am Kragen seines Pullovers entlang, um zu zeigen, dass ihr Nicht-Lob ankam, bevor er nochmal auf ihren Kittel sah. „Du trägst drunter doch bestimmt eines deiner T-Shirts mit krassen Spruch oder Aufdruck deiner Lieblingsbands.“ Im Kopf ging er bereits die Imbisse und Straßenverkäufer durch, wo beide das beste Maeun Tteokkochi und Buldak Kkochi bekamen. Er aß nicht sonderlich gern scharfes Essen, wollte sich vor ihr aber auch nicht blamieren. Eine Bananenmilch im Abgang würde er allerdings auf jeden Fall benötigen, um nicht wie ein Drache Feuer zu speien, wenn das Mahl aufgegessen war.
Großartige Begeisterung erwartete der Sportler nicht als Ji-Eun die Karten für sein Baseball-Spiel annahm. Allein, dass sie die Karten einsteckte, reichte ja schon, um seine Nase noch ein Tick rötlicher aufblitzen zu lassen und als sie das sogar bemerkte, flammten seine Ohren rot überführend mit auf, warum er sich gegen die latente Hitzewelle in seinem Körper wehrte und etwas verhalten hüstelte, bevor er sich die Haare tarnend über die Ohren schob. Woo-Jin wollte gerade erklären, dass er nicht kränkelte und das Rad fahren als Ausrede vorschieben, da fand sein Kätzchen am Boden einen Farbklecks der eindeutig nach geronnenem Blut aussah.
„Wehe dir.“, warnte der Sportler aus der Höhe und hob leicht das Bein seitlich, damit er die hockende Jobberin gegebenfalls davon abhalten konnte, ins Blut oder die Farbe zu patschen, die sie da gerade näher betrachtete. „Über Körperflüssigkeiten verteilen sich die meisten Infektionen schneller als du Kaugummi sagen kannst. Da hat sich dein chaotischer Freund von eben irgendwo verletzt. Hast du was an ihm gesehen?“ Mit seinen Augen verfolgte er den Weg vom Fleck hinüber zu dem Regal zurück. Unbewusst wanderte sein Blick noch einmal zur Eingangstür, hinter der die Lichter der Stadt weiterhin friedlich über den Asphalt tanzten.
Ji-Eun kam wieder auf die Beine und er wies mit der ausgestreckten Hand nach hinten in die Apotheke. „Du hast Feierabend.“ Das Ticken der Wanduhr zur vollen Stunde bestätigte beiden das Ende ihrer Schicht. „Machen wir Platz, damit die Putzfrau sich gleich austoben kann. Ich warte hier auf dich, dann können wir gleich los.“ Seine Beste musste noch den Kittel ausziehen, weghängen, die Schuhe wechseln und er würde ihre kurze Abwesenheit hier vorne nutzen, um ihr die gekauften Sachen zur Selbstverteidigung in ihre Tasche zu schmuggeln, die sie immer hinter dem Tresen aufbewahrte.
„ ... oder halte draußen Stellung? Vielleicht willst du dir ja noch die Nase pudern. Hast du zwar nicht nötig, aber das ja so'n Frauending.“, betonte er charmant lächelnd und ein verräterisches Zucken zeigte sich in seinem linken Mundwinkel, weil er wusste, dass sie nicht gerade zu den sehr bemühten Frauen zählte, die Stunden im Bad verbrachten, aber während der Arbeit auf Klo zu gehen war in einer unterbesetzten Apotheke sicher auch nicht möglich. Also, wollte er ihr Zeit vermitteln, die sie sich getrost nehmen sollte.
„Gesundheitsfanatiker? Autsch.“ Gespielt gekränkt fasste der Hüne sich an die Brust und rieb mit der flachen Hand über sein Herz, das Ji-Eun angriff. Mehr als ihnen beiden bewusst war. „Gegen Dummheit kann man sich heilen lassen. Braucht bloß Wille und Übung. Just saying.“ Schulterzuckend lehnte er sich entspannt gegen die freie Wandfläche im Laden, wo früher mal ein Spiegel gehangen hatte, jetzt aber nicht mehr da war. Das Teil war ihnen mehrmals kaputt gegangen, weil angetrunkene Gäste nicht immer klar bei Verstand Dinge taten, die andere Dinge kaputt machten. Er schob bei ihrer Äußerung zum Home-Office die Unterlippe mäkelnd vor, denn ihm würde das überhaupt nicht in den Kram passen. Ji-Eun würde sich einigeln in ihrem Apartment und gar nicht mehr vor die Tür kommen, außer für ihren Nebenjob und zur Essensbesorgung.
Über ihre mimische Kunst im Nachklang, weil seine lieben Worte sie einmal innerlich und äußerlich durchschüttelten, schnaufte der (B)Engel. „Ich mag deine schlechte Laune, gleicht meine Gute aus. Dann ist alles in Balance.“, gab er zu und ließ seinen aufmerksamen Blick für einen Augenblick durch die Schaufensterscheibe nach draußen gleiten. „Tatsächlich glaube ich aber, dass du in Wahrheit gar keine richtige, schlechte Laune hast.“ Du bist nur ziemlich gut darin, Menschen glauben zu lassen, sie sollten lieber Abstand halten. Es war eine Beobachtung, die ihm längst durch den Kopf gegangen war, ohne dass er sie je aussprach. Er wollte ja nicht Gefahr laufen, dass seine Beste ihm eins mit der Keule über den Hinterkopf zog.
Die Straße draußen wirkte noch immer belebt. Ein Pärchen schlenderte lachend über den Gehweg, irgendwo summte das Neonlicht eines geöffneten Convenience Stores, ein Lieferroller verschwand mit aufheulendem Motor in der nächsten Seitenstraße. Alles sah aus wie an jedem anderen Abend. Er wusste selbst nicht genau, weshalb ihn das Gefühl beschlich, dass die Stadt heute anders klang. „Schätze mal, dass in ein paar Wochen keiner mehr darüber spricht. Über diese neue Krankheit, Hamsterkäufe ...“, meinte er schließlich und zuckte leicht mit den Schultern. „Irgendwas findet sich immer, worüber die Nachrichten sich als Nächstes aufregen können.“ Simpler Fakt. Und, doch das mit der neuen Grippewelle .. an der These hörte Woo-Jin sich fest, weil er an seine kleine Schwester dachte, die als Kind jeden Infekt mitnahm und nicht gerade die beste gesundheitliche Verfassung mitbrachte. Impfungen waren auch so eine Sache, denen er kritisch gegenüberstand.
Ihr geäußerter Wunsch nach neuen Zigaretten löste in ihm eine mentale Debatte für Vor- und Nachteile vom Rauchen aus, die er ihr ersparte. Ji-Eun besaß da taube Ohren. „Na gut.“, seufzte er gespielt ergeben. „Dann handle ich eben einen Kompromiss aus. Erst isst du was Vernünftiges-“ Beschwörend hob er den Zeigefinger in die Luft und zog einen Kreis durchs helle Licht. „.. danach darfst du mich enttäuschen.“ Mehr sagte er dazu nicht. Manche Kämpfe gewann man nicht, indem man sie mit Ach und Krach führte.
Etwas verspätet reagierte Woo-Jin noch auf ihren Einwurf, wie schnell er die Regale wieder voll bekam, und zupfte sich stolz am Kragen seines Pullovers entlang, um zu zeigen, dass ihr Nicht-Lob ankam, bevor er nochmal auf ihren Kittel sah. „Du trägst drunter doch bestimmt eines deiner T-Shirts mit krassen Spruch oder Aufdruck deiner Lieblingsbands.“ Im Kopf ging er bereits die Imbisse und Straßenverkäufer durch, wo beide das beste Maeun Tteokkochi und Buldak Kkochi bekamen. Er aß nicht sonderlich gern scharfes Essen, wollte sich vor ihr aber auch nicht blamieren. Eine Bananenmilch im Abgang würde er allerdings auf jeden Fall benötigen, um nicht wie ein Drache Feuer zu speien, wenn das Mahl aufgegessen war.
Großartige Begeisterung erwartete der Sportler nicht als Ji-Eun die Karten für sein Baseball-Spiel annahm. Allein, dass sie die Karten einsteckte, reichte ja schon, um seine Nase noch ein Tick rötlicher aufblitzen zu lassen und als sie das sogar bemerkte, flammten seine Ohren rot überführend mit auf, warum er sich gegen die latente Hitzewelle in seinem Körper wehrte und etwas verhalten hüstelte, bevor er sich die Haare tarnend über die Ohren schob. Woo-Jin wollte gerade erklären, dass er nicht kränkelte und das Rad fahren als Ausrede vorschieben, da fand sein Kätzchen am Boden einen Farbklecks der eindeutig nach geronnenem Blut aussah.
„Wehe dir.“, warnte der Sportler aus der Höhe und hob leicht das Bein seitlich, damit er die hockende Jobberin gegebenfalls davon abhalten konnte, ins Blut oder die Farbe zu patschen, die sie da gerade näher betrachtete. „Über Körperflüssigkeiten verteilen sich die meisten Infektionen schneller als du Kaugummi sagen kannst. Da hat sich dein chaotischer Freund von eben irgendwo verletzt. Hast du was an ihm gesehen?“ Mit seinen Augen verfolgte er den Weg vom Fleck hinüber zu dem Regal zurück. Unbewusst wanderte sein Blick noch einmal zur Eingangstür, hinter der die Lichter der Stadt weiterhin friedlich über den Asphalt tanzten.
Ji-Eun kam wieder auf die Beine und er wies mit der ausgestreckten Hand nach hinten in die Apotheke. „Du hast Feierabend.“ Das Ticken der Wanduhr zur vollen Stunde bestätigte beiden das Ende ihrer Schicht. „Machen wir Platz, damit die Putzfrau sich gleich austoben kann. Ich warte hier auf dich, dann können wir gleich los.“ Seine Beste musste noch den Kittel ausziehen, weghängen, die Schuhe wechseln und er würde ihre kurze Abwesenheit hier vorne nutzen, um ihr die gekauften Sachen zur Selbstverteidigung in ihre Tasche zu schmuggeln, die sie immer hinter dem Tresen aufbewahrte.
„ ... oder halte draußen Stellung? Vielleicht willst du dir ja noch die Nase pudern. Hast du zwar nicht nötig, aber das ja so'n Frauending.“, betonte er charmant lächelnd und ein verräterisches Zucken zeigte sich in seinem linken Mundwinkel, weil er wusste, dass sie nicht gerade zu den sehr bemühten Frauen zählte, die Stunden im Bad verbrachten, aber während der Arbeit auf Klo zu gehen war in einer unterbesetzten Apotheke sicher auch nicht möglich. Also, wollte er ihr Zeit vermitteln, die sie sich getrost nehmen sollte.




