03.08.2026, 01:05
Szeneninformationen
Gerade aber wurde sie sich warmer Augen bewusst, die auf ihr lagen, auch ohne seine Lippen zu betrachten, bemerkte sie das Lächeln, welches auf ihnen lag. Doch entschied sie sich dazu ihn zu ignorieren, zu tun, als würde sie es nicht bemerken, weil es sich anfühlte als hätte sie verloren, während sie an dem warmen Getränk nippte, dass einen frühzeitigen Feierabend etwas angenehmer einläutete, als das helle Klimpern der Eingangsglocke oder eine Kippe die ihre Lungen mit brennendem Qualm füllte. “Dabei hätte ich gedacht, dass du haargenau weiß, wo du das Zeug auftreiben kannst, so als Gesundheitsfanatiker.” Mit beliebten Sportlern hatte sie sonst nichts am Hut, absolut nicht. Die Meisten waren protzige Idioten, bescheuerte Gymbros oder Fuckboys, die man nicht öfter als einmal sehen oder mit einer Kneifzange anfassen wollte. Woojin, war nichts davon. Er war seltsam…gut. Und das irritierte. Es stieß sie ab und hielt sie gleichzeitig an Ort und Stelle. Warum auch immer er seine Zeit mit ihr verschwendete. Einer Außenseiterin, die kein Interesse daran hatte reinzupassen, Freundschaften zu schließen oder sich zu verbiegen um in heile, perfekte Welten zu passen, für die sie zu verformt war.
“Dummheit scheint mir fast am ansteckendsten.” kommentierte sie also, hoffte wirklich, dass man ihr zumindest Reinigungstücher übrig ließ, wenn man Klopapier schon bunkerte – und auf Maßnahmen, die sie dazu befähigten, sich einfach in ihrem Apartment zu verschanzen. Online-Seminare und Kurse, das wär's. Keine unnötig langen Tage mehr in der Uni, keine überfüllten, lauten Mensen und nervige Menschen. Perfekt. “Bock auf Home Office und Quarantäne hätte ich schon,” gab sie also zu und atmete kurz das Aroma von Kaffeebohnen und Vanille ein, ehe der Hauch von Waschmittel zu ihr hinüber wehte. Dann verzog sie das Gesicht, als hätte sie in einen sauren Apfel gebissen, oder sich den kleinen Zeh übel gestoßen – vielleicht beides. “Ich tu einfach so, als hättest du das nicht gesagt." Er war furchtbar. Furchtbar lieb und sonnig, so dass es beinahe blendete.
Jieun schüttelte sich kurz sichtlich. “Meine schlechte Laune ist unheilbar,” hatte sie sich ein Stempel hoffnungslos-ruiniert, doch schon längst gesetzt oder einbrennen lassen. “Aber dein unermüdlicher Versuch ist beinahe ehrbar und fast so verrückt, wie das was vielleicht bald hier abgeht. Wer weiß schon, wie sich die Lage entwickelt. Selbst wenn es nur eine Grippewelle ist..” sie selbst war hartnäckig, wurde nicht schnell krank. Aber sie wusste, dass es immunschwache Personen gab…in seiner Nähe. Auch wenn sie sich bemühte, keinen Blick zu seiner Familie zu werfen, nicht zu schnüffeln, weil es sie nichts anging, sie die perfekte Fassade kaum glauben konnte, oder wollte und das Wort allein ein rotes Tuch für sie selbst war.
“Pff-” gab sie dann doch fast schon ein kurzes Auflachen von sich, ungeplant perlte es einfach über ihre Lippen ehe sie diese zusammen presste. “Nein, noch scheiß ich mir nicht vor Angst ein und für den normalen Gebrauch hab ich noch genug Zuhause.” noch während sie sprach, zuckten ihre oftmals hinab zeigenden Mundwinkel verräterisch.
“Eine Packung Zigaretten könnte ich am Automaten aber durchaus noch mitnehmen,” und dass ihm dieser Einkauf nicht gefallen würde, wusste sie. Davon abhalten tat es sie jedoch nicht, auch wenn sie die größte Phase ihres selbstzerstörerischen Verhaltens in ihrer alten Heimat zurückgelassen hatte, das hier und jetzt nur ein schwacher Schatten davon war. Der warme, jedoch feste Blick, den er ihr beim einsortieren zuwarf, hielt sie beinahe davon ab, sich von der Theke zu entfernen und näher zu kommen, aber sie war kein Feigling und starrte stattdessen stur entgegen. “Gut,” kommentierte sie also knapp und hätte sich gewünscht, er wäre bei seinen Worten geblieben, statt noch etwas hinzuzufügen. So wollte sie nicht, dass sich irgendwo in ihr etwas rührte. Nie hatte es irgendjemanden gschert wie es ihr ging, oder besorgt. Man hatte sie einfach verlassen und zurückgelassen…bei..bei diesem Bastard. So presste sie also erneut missbilligend die Lippen aufeinander. Wenn er wüsste, würde er sich nicht um solche lächerlichen Szenarien scheren. Doch sie wollte nicht, dass er auch nur etwas davon ahnte. “Verschwendete Zeit und Gehirnkapazität.” Scheinbar jedoch wandte er gern unnötig viel Energie auf, um Gutes zu tun.
“Tja, ich muss ja zumindest einen Funken Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen und ein Shirt mit dem Aufdruck “Eine Kugel – in den Kopf bitte” würde das nicht gerade tun,” witzelte sie, besaß Jieun doch tatsächlich Shirts mit schwarzhumoristischen Sprüchen und dunklen Aufdrücken. Aber selbst eine Lederjacke oder ein schlichter schwarzer Pullover hatten hier leider nichts zu suchen. Seriös ebenso wie Hygiene waren gewisse Schlagworte, wenngleich letzteres im Krankenhaus deutlich mehr Gründe hatte als hier. Kurz blinzelte sie auf die plötzliche Ordnung hinab, ehe sie den Kopf hob, um langsam zu ihm aufzusehen, erschien der Gang doch schon wieder ansehnlich. “Huh, das ging schnell…” und das Lob dahinter schwebte unausgesprochen in dem Hauch von freundlichen Worten, die so selten ihre Zunge verließen. Noch während sie ablehnend den Mund öffnete, den Einwand fallen ließ, dass ein Lungenbrötchen reichte, oder eben der Kaffee, den er ihr mitgebracht hatte, fiel er ihr schon ins Wort und sorgte erneut dafür, dass sie mit den Augen rollte. “Weil ich weiß, dass du eh weiter nervst..” lenkte sie also ein, auch wenn sie beim hinein lauschen in ihren Körper kein knurrenden Magen wahrnahm, nur eine gleichgültige Leere die mit ein paar Schlücken Kaffee erwärmt worden war. “Maeun Tteokkochi oder Buldak Kkochi” immerhin waren Spieße praktisch zum Essen, wenn man unterwegs war, und wenn sie schon einen Late Night Snack runter zwingen musste, dann einen schön scharfen. “Hm?” kurz blinzelte sie die Karten die er ihr hinhielt, verständnislos an, ehe seine Worte dazu einen Sinn woben. “Ah..” sonderlich begeistert klang sie nicht, immerhin war Sport wirklich nichts für sie, wenn man vom Tanzen absah…welches ihr ohnehin geraubt worden war. Bitterkeit stieg ihr kurz im Hals auf, doch dann deutete sie ein leichtes Nicken an. “Ich..schaue ob ich Zeit finde. Falls ich fürs Arbeiten eingeteilt bin, findet sich vermutlich schon irgendwer,” wich sie aus, ohne direkt abzusagen und sie wusste, dass sie sich wieder jeder Logik auf der Tribüne wiederfinden würde. Der Gedanke, dass er extra zwei Tickets besorgt hatte, damit sie keine Sitznachbarn hatte, schwirrte kurz seltsam in ihrem Kopf, ehe sie die Hand ausstreckte und die Tickets einkassierte. Bevor sie also die Tickets zurück zu ihrem Rucksack brachte und dort verstaute, warf sie ein Blick in sein Gesicht und auch wenn das kaltweiße Licht ohnehin alles bleicher färbte, meinte sie, eine gewisse Farbänderung in seinem Gesicht zu entdecken. “Du wirst aber nicht krank, oder?” dass sie selbst bleich war und dunkle Ringe unter den Augen hatte, gehörte zu ihrer Natur. Sein Teint jedoch gehörte eher zu der Kategorie honiggold. Die Augen kniff sie leicht zusammen, schob es auf die Beleuchtung, ehe ihr ein kleiner Farbklecks am Boden ins Sichtfeld stach. Direkt neben dem zuvor verschobenen Aufsteller und dem verwüsteten Regal, welches nun wieder ordentlich und friedlich wirkte. “Was zum..” kurz hockte sie sich hin und betrachtete den dunkelroten Fleck. Sah aus wie geronnenes Blut. “Nicht wirklich hygienisch..naja die Putzfrau kommt eh..." sie hob den Blick einmal rasch zur Wanduhr, "gleich, um den Laden einmal ordentlich zu reinigen.” somit erhob sie sich also, auch wenn das mulmige Gefühl nicht gleich verschwinden wollte.



