02.08.2026, 23:54
Szeneninformationen
Durchgeknallte. Allein das eine Wort genügte, damit sämtliche Alarmglocken schrillten und die Sorge um sein Kätzchen nochmal mit voller Wucht zurückkehrte. „Will ich wissen, wie durchgeknallt die waren?“ Schlechte Frage, nächste Frage. Woo-Jin blinzelte über ihr wie immer gut vernehmbares Schnauben hinweg. „… solange der Rubel rollt, nur zu.“ Gönnen tat er den Umsatz der Apotheke, mit Glück, äußerte sich das in einem satten Trinkgeld. Er wusste nicht, ob selbständige Besitzer in der Pharmazie gewisse Prämien zahlten, aber es wäre schon was Feines einen derart fleißigen Mitarbeiter für seine Dienste zu loben.
Ein warmes, beinahe lautloses Lachen löste sich aus seiner Brust. Es war kein Lachen, das den Raum füllte oder Aufmerksamkeit verlangte, vielmehr eins, das sich ganz selbstverständlich über alles legte, ohne zu beschweren. „Regal vier, Reihe drei?“, wiederholte er mit gespielter Ernsthaftigkeit und nickte anerkennend. „Gut zu wissen. Falls die Welt tatsächlich untergeht, weiß ich wenigstens, wo ich die überlebenswichtigen Vitamingummis finde.“ Der Sportler sah einmal in die besagte Richtung und überging den trockenen Inhalt ihres Kommentars.
„Zufälle gibt's.“ Amüsiert hoben sich seine Mundwinkel, nicht übertrieben, sondern mit dieser ruhigen Leichtigkeit, die ihn so natürlich begleitete. Ebenso selbstverständlich schwieg er darüber, dass Ji-Eun den Kaffee tatsächlich annahm und trank. Er hätte sie damit aufziehen können, stattdessen genügte ihm der kleine Anblick des Bechers in ihrer Hand. Mehr Bestätigung brauchte er nicht.
Die Berichterstattung über einen merkwürdigen Kunden ließ ihn die Lippen verziehen als er ihr andächtig lauschte. Seine dunkelbraunen Augen glitten durch den Verkaufsraum der Apotheke. Die Lücken in den Regalen fielen ihm sofort auf, auch der schief stehende Aufsteller und die verstreuten Packungen erzählten ihre ganz eigene Geschichte. Noch vor wenigen Tagen hätte wahrscheinlich niemand den Medikamenten auch nur einen zweiten Blick geschenkt. Jetzt schien plötzlich jeder für etwas vorsorgen zu wollen, das niemand so recht benennen konnte. „Menschen haben ein erstaunliches Talent dafür, sich gegenseitig anzustecken.“, meinte er nachdenklich. „Nicht nur mit Krankheiten.“ Hamsterkäufe waren das beste Beispiel und die Erwähnung einer möglichen, erneuten Klo-Papier-Knappheit ließ ihn nur halb belustigt den Haarschopf hin- und her wiegen. Oh, man.
Ihr noch immer zuhörend, ging er in die Hocke und hob die ersten Schachteln vom Boden auf. Seine Bewegungen wirkten ruhig, beinahe routiniert. Jede Packung fand ihren Platz zurück, jede Beschriftung zeigte nach vorn. Vielleicht, weil Unordnung ihn störte. Vielleicht auch, weil er wusste, dass Ji-Eun garantiert Besseres tun könnte als das Chaos anderer aufzuräumen. „Wenn wir das jetzt erledigen, kannst du morgen wenigstens direkt schlechte Laune haben, ohne vorher Regale sortieren zu müssen.“, plädierte er gekonnt drauflos. „Ich habe nichts Besseres zu tun, außer meine Zeit dir zu schenken. Ob, du willst oder nicht. Das gar keine Option.“ Ein verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht, ehe er den verrutschten Aufsteller mit einem leichten Druck wieder ausrichtete. Erst als alles stimmig aussah, richtete er sich wieder auf.
Sein Blick blieb kurz auf dem kleinen Handcreme-Tester hängen, weil sie der Duft an Waschmittel erinnerte. Darunter gab's einige Gute. Er mochte es, wenn seine Wäsche angeblich nach 'Blütenzauber' roch, auch wenn das irgendwie eine fragwürdige Neigung war - rührte sicherlich daher, weil er blumige Nuancen durch seine kleine Schwester gewöhnt war. Sie ähnelte wirklich einer hübschen, gut duftenden Rose. „Sollten wir auf'm Heimweg noch Klopapier besorgen?“ Sollte der Wunsch bestehen, könnten sie das umsetzen und sich der groben, hysterischen Allgemeinheit anschließen.
Selbst aus der Entfernung spürte er das Funkeln ihrer Augen im Nacken kribbeln, warum er eine Hand hob und sich über genau diese Stelle mit der Hand fuhr. Er machte sich daran die Kartons zu leeren und die Packungen darin, richtig einzusortieren.
Ihre Zurechtweisung kam prompt, weil die Brünette sofort insistierte, dass sie auf sich allein aufpassen konnte. Er begegnete ihrem entschiedenen Blick ohne jede Spur von Trotz, bloß mit der gleichen Sanftheit wie immer. „Das weiß ich.“ Mehr sagte er zunächst nicht. Seine Stimme blieb ruhig und angenehm tief, frei von jeder Belehrung. „Ich glaube sogar, dass derjenige, der versucht, dich auszurauben, am Ende deutlich schlechter aussieht als vorher.“ Nach einer Kunstpause fügte Woo-Jin dazu: „Der Gedanke bleibt trotzdem unschön, dich hier allein zu wissen.“ Beide widmeten sich unterschiedlicher Arbeit. Sie - am Tresen, er - bei den Regalen. beiläufig wanderte sein Fokus zum Platz, wo er ihre private Tasche vermutete. Hinter der Kasse. Später, wenn sie im Lager verschwand und abschloss, würde er ihr klammheimlich eine kleine Dose Pfefferspray einstecken und einen Safety-Lock, den sie aktivieren konnte, wenn sie angegriffen wurde. Dann piepte das Ding, wie verrückt los. Sie würde sich furchtbar darüber aufregen, sobald sie alles fand und ihn bestimmt beim nächsten Treffen einen Idioten schimpfen, doch das nahm er in Kauf.
Fast zeitgleich warf die Kleine ihm vor 'komisch' zu sein und tja, Recht behielt sie und er nahm es um Haaresbreite als Kompliment an. In ihrem Jargon war es sicherlich eins. Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und klopfte sich schließlich zufrieden die Hände ab, nachdem er mit dem Einsortieren fertig war. Die Zufriedenheit darüber war ihm ehrlich anzusehen.
„Sieht seriös aus.“ Per Nicken deutete er auf den Kittel, an dem Ji-Eun zupfte als sie die Nachbearbeitung der Kasse abschloss und den Tresen verließ. Ihm fiel schrecklich genau auf, wie klein sie im Vergleich zu ihm wirkte und automatisch lehnte er sich ein Stück nach hinten, fand abgestützt mit dem Körper an einer freien Wand Halt. Er verschränkte lässig die Arme vor dem Oberkörper und schaute nochmal durch den Laden.
„Wenn du hier fertig bist, worauf hast du eigentlich Hunger?“ Kaum hatte er ausgesprochen, hob er mit einem amüsierten Grinsen den Zeigefinger. Er ließ ihr gar nicht erst die Gelegenheit, ihn zu unterbrechen. „Du isst was, bitte, du wirst sicher Hunger haben.“ Nebenbei zog er aus der Innentasche seiner Jacke zwei Eintrittskarten hervor, die er zwischen den Fingern leicht hin und her drehte, bevor er sie anreichte. „Ich habe nur den starken Verdacht, dass Kaffee inzwischen einen viel zu großen Teil deiner Ernährung ausmacht. Das ist selbst für eine Apotheke medizinisch fragwürdig.“, schloss er mit seiner kleinen Einmischung in ihr Leben ab.
„Nächste Woche spielen wir wieder. Falls du Zeit findest, lass' dich doch mal blicken. Die Sitze sind in der Loge. Rechts und links neben dir sitzt niemand. Du hast gleich zwei Plätze für dich." Wer genau hinsah, der konnte den militanten Schimmer einer leichten rosartigen Färbung auf seinen Wangen erkennen, die er durch ein neuerliches Lächeln zu verbergen versuchte. „Wäre eine Abwechslung mal ein Gesicht auf der Tribüne zu sehen, das ich tatsächlich kenne.“ Das war doch nicht zu offensiv?
Ein warmes, beinahe lautloses Lachen löste sich aus seiner Brust. Es war kein Lachen, das den Raum füllte oder Aufmerksamkeit verlangte, vielmehr eins, das sich ganz selbstverständlich über alles legte, ohne zu beschweren. „Regal vier, Reihe drei?“, wiederholte er mit gespielter Ernsthaftigkeit und nickte anerkennend. „Gut zu wissen. Falls die Welt tatsächlich untergeht, weiß ich wenigstens, wo ich die überlebenswichtigen Vitamingummis finde.“ Der Sportler sah einmal in die besagte Richtung und überging den trockenen Inhalt ihres Kommentars.
„Zufälle gibt's.“ Amüsiert hoben sich seine Mundwinkel, nicht übertrieben, sondern mit dieser ruhigen Leichtigkeit, die ihn so natürlich begleitete. Ebenso selbstverständlich schwieg er darüber, dass Ji-Eun den Kaffee tatsächlich annahm und trank. Er hätte sie damit aufziehen können, stattdessen genügte ihm der kleine Anblick des Bechers in ihrer Hand. Mehr Bestätigung brauchte er nicht.
Die Berichterstattung über einen merkwürdigen Kunden ließ ihn die Lippen verziehen als er ihr andächtig lauschte. Seine dunkelbraunen Augen glitten durch den Verkaufsraum der Apotheke. Die Lücken in den Regalen fielen ihm sofort auf, auch der schief stehende Aufsteller und die verstreuten Packungen erzählten ihre ganz eigene Geschichte. Noch vor wenigen Tagen hätte wahrscheinlich niemand den Medikamenten auch nur einen zweiten Blick geschenkt. Jetzt schien plötzlich jeder für etwas vorsorgen zu wollen, das niemand so recht benennen konnte. „Menschen haben ein erstaunliches Talent dafür, sich gegenseitig anzustecken.“, meinte er nachdenklich. „Nicht nur mit Krankheiten.“ Hamsterkäufe waren das beste Beispiel und die Erwähnung einer möglichen, erneuten Klo-Papier-Knappheit ließ ihn nur halb belustigt den Haarschopf hin- und her wiegen. Oh, man.
Ihr noch immer zuhörend, ging er in die Hocke und hob die ersten Schachteln vom Boden auf. Seine Bewegungen wirkten ruhig, beinahe routiniert. Jede Packung fand ihren Platz zurück, jede Beschriftung zeigte nach vorn. Vielleicht, weil Unordnung ihn störte. Vielleicht auch, weil er wusste, dass Ji-Eun garantiert Besseres tun könnte als das Chaos anderer aufzuräumen. „Wenn wir das jetzt erledigen, kannst du morgen wenigstens direkt schlechte Laune haben, ohne vorher Regale sortieren zu müssen.“, plädierte er gekonnt drauflos. „Ich habe nichts Besseres zu tun, außer meine Zeit dir zu schenken. Ob, du willst oder nicht. Das gar keine Option.“ Ein verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht, ehe er den verrutschten Aufsteller mit einem leichten Druck wieder ausrichtete. Erst als alles stimmig aussah, richtete er sich wieder auf.
Sein Blick blieb kurz auf dem kleinen Handcreme-Tester hängen, weil sie der Duft an Waschmittel erinnerte. Darunter gab's einige Gute. Er mochte es, wenn seine Wäsche angeblich nach 'Blütenzauber' roch, auch wenn das irgendwie eine fragwürdige Neigung war - rührte sicherlich daher, weil er blumige Nuancen durch seine kleine Schwester gewöhnt war. Sie ähnelte wirklich einer hübschen, gut duftenden Rose. „Sollten wir auf'm Heimweg noch Klopapier besorgen?“ Sollte der Wunsch bestehen, könnten sie das umsetzen und sich der groben, hysterischen Allgemeinheit anschließen.
Selbst aus der Entfernung spürte er das Funkeln ihrer Augen im Nacken kribbeln, warum er eine Hand hob und sich über genau diese Stelle mit der Hand fuhr. Er machte sich daran die Kartons zu leeren und die Packungen darin, richtig einzusortieren.
Ihre Zurechtweisung kam prompt, weil die Brünette sofort insistierte, dass sie auf sich allein aufpassen konnte. Er begegnete ihrem entschiedenen Blick ohne jede Spur von Trotz, bloß mit der gleichen Sanftheit wie immer. „Das weiß ich.“ Mehr sagte er zunächst nicht. Seine Stimme blieb ruhig und angenehm tief, frei von jeder Belehrung. „Ich glaube sogar, dass derjenige, der versucht, dich auszurauben, am Ende deutlich schlechter aussieht als vorher.“ Nach einer Kunstpause fügte Woo-Jin dazu: „Der Gedanke bleibt trotzdem unschön, dich hier allein zu wissen.“ Beide widmeten sich unterschiedlicher Arbeit. Sie - am Tresen, er - bei den Regalen. beiläufig wanderte sein Fokus zum Platz, wo er ihre private Tasche vermutete. Hinter der Kasse. Später, wenn sie im Lager verschwand und abschloss, würde er ihr klammheimlich eine kleine Dose Pfefferspray einstecken und einen Safety-Lock, den sie aktivieren konnte, wenn sie angegriffen wurde. Dann piepte das Ding, wie verrückt los. Sie würde sich furchtbar darüber aufregen, sobald sie alles fand und ihn bestimmt beim nächsten Treffen einen Idioten schimpfen, doch das nahm er in Kauf.
Fast zeitgleich warf die Kleine ihm vor 'komisch' zu sein und tja, Recht behielt sie und er nahm es um Haaresbreite als Kompliment an. In ihrem Jargon war es sicherlich eins. Er strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und klopfte sich schließlich zufrieden die Hände ab, nachdem er mit dem Einsortieren fertig war. Die Zufriedenheit darüber war ihm ehrlich anzusehen.
„Sieht seriös aus.“ Per Nicken deutete er auf den Kittel, an dem Ji-Eun zupfte als sie die Nachbearbeitung der Kasse abschloss und den Tresen verließ. Ihm fiel schrecklich genau auf, wie klein sie im Vergleich zu ihm wirkte und automatisch lehnte er sich ein Stück nach hinten, fand abgestützt mit dem Körper an einer freien Wand Halt. Er verschränkte lässig die Arme vor dem Oberkörper und schaute nochmal durch den Laden.
„Wenn du hier fertig bist, worauf hast du eigentlich Hunger?“ Kaum hatte er ausgesprochen, hob er mit einem amüsierten Grinsen den Zeigefinger. Er ließ ihr gar nicht erst die Gelegenheit, ihn zu unterbrechen. „Du isst was, bitte, du wirst sicher Hunger haben.“ Nebenbei zog er aus der Innentasche seiner Jacke zwei Eintrittskarten hervor, die er zwischen den Fingern leicht hin und her drehte, bevor er sie anreichte. „Ich habe nur den starken Verdacht, dass Kaffee inzwischen einen viel zu großen Teil deiner Ernährung ausmacht. Das ist selbst für eine Apotheke medizinisch fragwürdig.“, schloss er mit seiner kleinen Einmischung in ihr Leben ab.
„Nächste Woche spielen wir wieder. Falls du Zeit findest, lass' dich doch mal blicken. Die Sitze sind in der Loge. Rechts und links neben dir sitzt niemand. Du hast gleich zwei Plätze für dich." Wer genau hinsah, der konnte den militanten Schimmer einer leichten rosartigen Färbung auf seinen Wangen erkennen, die er durch ein neuerliches Lächeln zu verbergen versuchte. „Wäre eine Abwechslung mal ein Gesicht auf der Tribüne zu sehen, das ich tatsächlich kenne.“ Das war doch nicht zu offensiv?




